Harte Schule, prima Fotos?
Die Spiegelreflexkamera für die Hosentasche ist wohl ein Traum vieler Fotografen, denn die Bildqualität kompakter Kameras mit kleinem Bildsensor lässt immer noch zu wünschen übrig. Sigma war der erste Hersteller, der Sensoren in APS-C Größe in Kompaktkameras verbaute. Mittlerweile zogen Ricoh mit der modular aufgebaute GXR und Leica mit der X1 nach. Bei diesen beiden Herstellern gibt es das Vergnügen jedoch nur zum deutlich höheren Preis.
Sigmas DP1s ist mittlerweile zum Schnäppchenpreis von weniger als 300 € erhältlich. Was bekommt man für sein Geld? Der Kamerabody aus hochwertigem Aluminium ist perfekt gefertigt und lieg gut in der Hand. Die verbaute Optik ist kompromisslos auf Qualität ausgelegt. Weder Zoom, noch hohe Lichtstärke, weder Stabilisator noch Extrembrennweite, Sigma hat auf all dies zu Gunsten der Bildqualität verzichtet. Der Foveon X3 Direkt-Bildsensor, der knapp 5 Megapixel in Echtfarben aufzeichnet ist fast schon legendär. Deutlich größere Sensorpixel und die Tatsache, dass eine Farbinterpolation unnötig ist, versprechen erstklassige Bildqualität.
Und in der Praxis? Vorweg: man sollte Fotoenthusiast sein und viel Zeit mitbringen. Beim Einschalten fährt das Objektiv langsam und mit einem nervig röhrenden Geräusch aus dem Gehäuse. Gleiches passiert in Folge jedes Mal, wenn man den Auslöser halb durchdrückt. Langsam und lautstark setzt sich der Autofokus in Bewegung. Die Kamerafunktionen sind auf elementare Dinge Reduziert. Motivprogramme, Gesichtserkennung, Panoramamodus und alles was sich die Hersteller moderner Unterhaltungselektronik sonst noch in den letzen Jahren haben einfallen lassen, sucht man vergebens. Prinzipiell sagt mir das zu. Sollte man trotzdem einmal in die Verlegenheit kommen, irgend eine Einstellung im Kameramenü verändern zu müssen, so macht man mit einer Menüsteuerung Bekanntschaft, die Ergonomie und Logik von einem Heimcomputerbetriebssystem der frühen 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends geerbt zu haben scheint.
Die Sigma DP1s fordert die Kreativität des Fotografen indes auf das äußerste. Sie ist eine wirklich harte Schule. Bewegtes ist meist lange aus dem Gesichtsfeld verschwunden, ehe die Kamera ausgelöst hat. Das gemäßigte Weitwinkelobjektiv ist in der Bildwirkung eher unspektukulär und die Naheinstellgrenze von 30cm lässt ein beherztes Herangehen an das Objekt nicht zu, so müssen Motiv und Bildaufteilung schon perfekt sein. Es bedarf Übung, Erfahrung und Geduld, um mit guten Ergebnissen nach Hause zu kommen.
Unter dem Strich eine lohnende Sache wie ich finde. Die Kamera fordert die intensive Auseinandersetzung mit dem Motiv ein. Dies schult den fotografischen Blick und die Kreativität bei der Umsetzung. Zur Belohnung bietet die Sigma DP1s eine exzellente Bildqualität. Die Fotos sind scharf, das Bildrauschen auch in der höchsten ISO Einstellung moderat, die Farben wirken knackig, Verzeichnungen halten sich für diese Brennweite in Grenzen und Farbsäume sowie andere unschöne Bildartefakte sucht man vergebens. Sigmas DP Modelle sind eine harte Schule, aber die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen.



