Mit dem Taxi nach Tirana
Unterwegs mit der Olympus E-P1 auf dem Balkan (Sommer 2009)
Schon Karl May inspirierte die wilde Hochgebirgslandschaft des Balkans. Sein Held Kara Ben Nemsi verfolgte den Schut und sein Gefolge “Durch das Land der Skipetaren”. Unsere Jagd galt nicht vermeintlichen Schurken, sondern eindrucksvollen Fotos, in reizvollen Landschaften, die noch weitgehend vom Massentourismus verschont sind und Städten, die nicht auf der Anflugliste der Billigflieger stehen. Zehn Nationen galt es in zwanzig Tagen zu durchqueren; Ausgangspunkt der Reise - Hamburg, das Ziel - die griechische Insel Korfu, dazwischen 3.000 km in einem ausgemusterten Taxi. Unsere Reisegruppe bestand aus vier Erwachsenen und meinem kleinen Hund. Die Ausrüstung: die seinerzeit brandneue Olympus E-P1 im Doubel Lens Kit mit dem M. ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm 1:3,6-5,6 und dem kleinen flachen M. ZUIKO DIGITAL 17 mm 1:2,8 Pancake Objektiv. Für die Nacht und für Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen hatten wir ein stabiles Jobo Gorillapod Zoom im Reisegepäck. Ist diese leichte und reisegepäcktaugliche Fotoausrüstung unterwegs eine adäquate Alternative zur digitalen Spiegelreflexausrüstung?
Im Nationalpark Plitvicer Seen
Nach knapp 20 Stunden Fahrzeit durch Deutschland, Österreich und Slovenien begann unser Abenteuer auf dem Balkan irgendwie tatsächlich mit Karl May. Die Seenlandschaft, weiße Kalksteinfelsen und die saftig grüne Natur des Nationalparks Plitvicer Seen boten in den 1960er Jahren eindrucksvolle Kulissen für die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker. Die Umgebung des kroatischen Parks bildet eine eher unspektakuläre Mittelgebirgslandschaft. Von außen lässt kaum etwas auf den Schatz, das überwiegend von Naturbarrieren geschützte Nationalparksgelände, schließen. Der Eintritt ist kostenpflichtig. Gleich nach der Entrichtung des Obolus wird man jedoch mit einem atemberaubenden Blick über einen Teil der insgesamt 16 kaskadenförmig angeordneten Seen und auf den Veliki Slap, den Großen Wasserfall, belohnt. Hinabgestiegen zum unteren See, kann man seinen Weg an den Ufern, über das kristallklare Wasser überspannende Holzstege, durch lichte Wälder oder, auf den größeren Seen, mit umweltfreundlichen und geräuschlosen Elektrobooten fortsetzen. Nicht nur wegen des Lichtes lohnt es, morgens früh gleich nach der Öffnung im Park zu sein. Bei einer knappen Million Besucher jährlich entsteht spätestens zur Mittagszeit, trotz der Weitläufigkeit, ein Gedränge, das ernsthaftes Fotografieren unmöglich macht. Kaum zu glauben, dass es hier noch Wolfsrudel und frei lebende Braunbären gibt.
Kroatische Küste
Die kroatische Adriaküste bietet Strandenthusiasten nur wenig. Das tiefblaue Wasser und die zerklüfteten Buchten, sowie die vorgelagerte Inselwelt sind jedoch aus Fotografensicht deutlich attraktiver als überfüllte Sandstrände. Auf der mittlerweile sehr gut ausgebauten Küstenstraße, von Norden kommend, über Zadar, Sibenik, Trogir und Split machte die Fahrt in unserem komfortablen klimatisierten Taxi unglaubliche Freude. Die fast baumlose felsige Insel Pag liegt wie ein riesiger Kieselstein vor der Küste Mittelkroatiens. In Richtung Süden nimmt die Vegetation langsam zu und die vorgelagerten Inseln sind oft dicht bewaldet. Von Zeit zu Zeit hielten wir an, um die Aussicht zu genießen. Als die Sonne im Rückspiegel hinter dem Horizont verschwunden war, suchten wir uns in der Nähe von Makarska, am Berghang hoch über dem Meer, eine Bleibe für die Nacht. Am folgenden Tag sollte es früh weitergehen. Dubrovnik, die Perle der Adria, stand auf dem Programm. Bald nach der Abfahrt stießen wir auf ein seltsames Relikt der Balkankriege, einen schmalen, nahezu unbedeutenden Küstenabschnitt, der als freier Zugang zum Meer zu Bosnien-Herzegovina gehört. Vier Passkontrollen sind bei der Durchquerung obligatorisch. Erfreulicherweise hatte es sich mein Hund unter einer Decke bequem gemacht und fiel dem Zollpersonal nicht auf. Dies war insofern angenehm, als dass sich vor der Abreise, trotz intensiver Bemühungen, die Ein- und Ausreisekonditionen diverser Balkanländer für Haustiere nicht ermitteln ließen. Vom Parkplatz an der Nationalstraße D8, direkt vor der Franjo-Tuđan-Brücke hat man eine wundervolle Aussicht auf den Hafen von Dubrovnik. Fast immer liegen dort einige große Kreuzfahrschiffe vor Anker. Eine gewaltige weiß leuchtende Schrägseilbrücke überspannt die Flussmündung des Ombla und liegt gut im Blickfeld. Der Fotostopp ist hier ein Muss.
Dubrovnik, die Perle des Balkan
Die historische Altstadt von Dubrovnik steht seit 1979 in der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Autos müssen gegen beachtliche Gebühr vor dem Stadttor geparkt werden. Dubrovnik allein schon ist eine (Foto-)Reise wert, allerdings empfehle ich hierfür den späten Herbst oder das frühe Frühjahr. Im Sommer schieben sich Menschenmassen über den breiten Stradun, die Placa, und die angrenzenden engen steilen Gassen. Viele wundervolle Architekturdetails gehen im Tourismustrubel unter. Empfehlenswert ist ein (kostenpflichtiger) Rundgang über die Stadtmauer, der weitere unzählige interessante Perspektiven bietet. Die neue weiße Olympus E-P1 in ihrem anmutigen Metallgehäuse fiel im angesagten Dubrovnik auf, für den einen oder die andere vielleicht nicht uninteressant, mich interessierte jedoch mehr das fotografische Vermögen. Das Standartzoom lässt sich beim Transport mit einem Dreh auf die halbe Länge reduzieren. Einerseits praktisch platzsparend, andererseits muss man es immer wieder tun, ein zusätzlicher Handgriff, der beim Fotografieren in der Stadt mit der Zeit doch lästig wird. Der abgedeckte Brennweitenbereich von kleinbildäquivalenten 28-84mm ist für die meisten Situationen ausreichend. Für schnelle Schnappschüsse jedoch ist der Autofokus der Olympus viel zu langsam. Die Rettung in der Not: Autofokus abschalten, eine kleine Blendenöffnung einstellen und manuell auf die hyperfokale Distanz scharf stellen. In den meisten Fällen kommt man so zu einem brauchbaren Ergebnis.
Südländischer Fjord
Auf dem weiteren Weg nach Süden erreicht man auf der Küstenstraße, gleich nach dem Passieren der montenegrinischen Grenze, die Bucht von Kotor. Die 330m breite Meerenge lässt sich mit einer Fähre in wenigen Minuten und für kleines Geld überwinden. Wer dies tut, hat jedoch ein Highlight des Balkan verpasst. Fast 30 km erstreckt sich die fjordartige Bucht ins Landesinnere. Die Straßen sind eng und kurvenreich. Das langsame Vorankommen wird durch den Anblick malerischer Fischerdörfer und wundervoller Naturpanoramen mehr als entschädigt. Wir nahmen uns drei Tage Zeit zum Baden und für die genauere Erkundung. Schon der Blick vom Balkon unseres Appartements, etwas außerhalb der Stadt Kotor, war beeindruckend. Zur Rechten schauten wir auf den Eingang zur inneren Bucht, wo reger Schiffsverkehr immer Abwechslung bot. Geradeaus schweifte der Blick über das Wasser in das Bergmassiv und links fiel das Auge auf die fast 2.000 Jahre alte mediterrane Handels- und Hafenmetropole mit der markanten Stadtmauer, die sich weit hinauf in das Gebirge erstreckt, und auf den ihr vorgelagerten Hafen; in Rufweite vor uns der Badestrand der Stadt und hinter dem Haus das sich fast 2.000 m hoch auftürmende Karstgebirge. Auch Kotors Altstadt ist autofrei. Der glatte Bodenbelag, die im venezianischen Stil erbauten Stadthäuser und Paläste und der im Renaissance-Stil errichtete Uhrturm erinnern stark an Dubrovnik. Die Kirchen in Kotor haben jedoch, im Gegensatz zum katholischen Kroatien, einen orthodoxen Herrn. Kotor zieht den Geldadel an. Dies war unschwer an den im Hafen dümpelnden Privatjachten, von denen Einige die Abmessung mittelgroßer Kreuzfahrschiffe hatten, zu erkennen. Kotor-Stadt bot attraktive Motive für Nachtaufnahmen. Nun sollte das flexible Jobo Gorillapod zum Einsatz kommen. Selbst auf unebenem Grund aufgestellt und natürlich, wie vom Namen abzuleiten, um einen Baum oder ein Straßenschild geflochten bietet das Gorillapod der Kamera einen sicheren Halt. Hört sich prima an, funktioniert im allgemeinen auch. Die Tücken liegen im Detail. Unbedingt darauf zu achten ist, dass sich auch der Gegenstand, an dem man das trickige Ministativ befestigt, nicht bewegt.. Leichte Erschütterungen an einem Brückengeländer, verursacht durch vorüberfahrende Autos oder angelehnte Passanten, auch leichter Abendwind, der den Baum bewegt, reichen aus, um ein Foto zu verwackeln. Ein anderer, weniger offensichtlicher Haken: Stativ samt Kamera zu befestigen gelingt meist mühelos, jedoch die Kamera dann auf den gewünschten Bildausschnitt auszurichten, ist eine Geduldsprobe, die meist damit endet, dass sich die kunstvolle Befestigung der drei biegsamen, gummierten Krakenarme wieder löst, bevor die Kamera richtig ausgerichtet ist. Das Gorillapod konnte letztendlich nicht überzeugen, auch wenn es besser ist als auf Reisen ganz auf ein Stativ zu verzichten.
Shkodrasee
Wir planten den “Seeweg” ins Land der Skipetaren. Der knapp 50 km lange Skutari- oder Shkodrasee, der etwa mittig durch die Staatsgrenze zwischen Montenegro und Albanien geteilt wird, ist im Durchschnitt nur 7 m tief. Jahreszeitlich bedingt schwankt der Wasserstand jedoch stark. So reichte gegen Ende des Sommers das Wasser leider nicht mehr für einen regulären Fährbetrieb. Uns blieb nur der Landweg. Wir bezogen unser Quartier etwas außerhalb am Ufer des Skutarisees. Hier ging es nicht nur ruhiger zu, sondern war es auch preiswerter und zwei wundervolle glutrote Sonnenuntergänge am Ufer waren gratis. Auf dem Weg in die Stadt mussten wir die Bruna, den Abfluss des Skutarisees auf einer einspurigen stark frequentierten Holzbrücke überqueren. Ein abenteuerliches Schauspiel, denn das andere Ende der Brücke war beim Befahren nicht einzusehen. Oft bewegte sich lange nichts, da man nicht einig wurde, wem die Vorfahrt gebührte. Fußgänger, Radfahrer und Eselskarren taten ihr übriges zum Chaos. Als christliches Zentrum im überwiegend muslimisch geprägten Albanien bietet Shkoder einige sehenswerte Kirchen, die nach Aufhebung des Religionsverbotes 1990 schnell wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wurden. Heute betrachtet Albanien sich als laizistische Republik, die Religionsfreiheit gewährt. Wundervoll sind die von hohen Mauern umgebenen privaten Gärten in Shkoder. Quasi die Eintrittskarte zu diesen Blütenparadiesen war hier unser albanischer Freund und Reisebegleiter, der die auf dem Balkan gesprochenen Sprachen fließend beherrscht und mit den verschiedenen Kulturen bestens vertraut ist.
Durch die Albanischen Alpen
Unser weiterer Weg führte uns nach Oste, Landeinwärts in die albanischen Alpen. Bisher hatte uns der alte Mercedes, der immerhin eine Dreiviertel Million Kilometer auf dem Buckel hatte, nicht im Stich gelassen. Auf der kurvenreichen engen Strecke entlang des Drin, Albaniens längstem Fluss, passierte es dann. Ein entgegenkommendes Auto musste einem am Straßenrand dahin trottenden Esel ausweichen und wir wiederum dem uns nun direkt entgegenkommenden Fahrzeug. Bei der Ausweichaktion gerieten wir ins Geröll neben der Fahrbahn und unglücklicher Weise riss dabei der Endschalldämpfer ab. Fortan waren wir nicht mehr zu überhören. Die wenigen verbleibenden Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel, der Autofähre auf dem Koman-See ließen sich noch bewältigen, dann mussten wir über eine fachmännische Reparatur nachdenken. Dröhnend und in letzter Sekunde erreichten wir das altersschwache Fährschiff, das die 34 km lange Strecke nach Fierza nur einmal täglich befährt. Eine alternative Straße gibt es in dieser Gegend nicht, so war die Tatsache, das unser Auto bei der Abfahrt noch zur Hälfte auf der Laderampe des Schiffes stand eher zweitrangig. Die nun folgende, mehr als zweistündige Fahrt auf dem Koman-Stausee war ein Naturerlebnis der Extraklasse. Manchmal weniger als 50 m und selten mehr als 400 m breit, windet sich der See durch die canyonartige hochalpine Landschaft des albanischen Nordens. Steil erhebt sich das Bergmassiv bis auf Höhen über 2.500 m. Ab und an tauchen kleine Inseln, felsige Bergspitzen, aus dem See auf. Weiter im Norden, wo die Ufer flacher werden, gibt es vereinzelt Ansiedlungen, die ausschließlich über den See zu erreichen sind. Ob die Schönheit der Landschaft oder die eisigen stürmischen Fallwinde aus dem Gebirge uns eine Gänsehaut bescherten, vermag ich, bei einer tatsächlich gemessenen Temperatur von über 30° C, nicht mehr zu sagen.
Kosovo
In Fierza, am nordöstlichen Ende des Koman-Stausees fanden wir nichts, was einer Autowerkstatt ähnelte. So beschlossen wir beim Mittagessen, unseren Weg in den oder das Kosovo, man streitet noch darüber, fortzusetzen. In Prizren fanden wir eine Werkstatt. Man versprach, unser Auto in drei Stunden wieder fahrtüchtig zu machen, eine willkommene Gelegenheit die Stadt zu erkunden. Seit dem 17. Februar 2008 unabhängig, ist die Republik Kosovo wohl der jüngste Staat auf Erden. Die Spuren des Krieges vor 10 Jahren sind noch allgegenwärtig und die Präsenz der KFOR Friedenstruppe lässt sich nicht übersehen. Das 2 Millionen Einwohner zählende Land hat wohl die höchste Militär- und Polizeidichte weltweit. Der Werkstattmeister erwartete uns am Tor, unser Auto war repariert und wir zahlten, mangels eigener Landeswährung, mit Euro. Unser Tagesziel war Mitrovica im Norden des Kosovo. Wir durchfuhren die fruchtbare Ebene, die umringt von Hochgebirge den Kern des kleinen Landes bildet. In Mirtovica bezogen wir ein Hotelzimmer an einer Ausfallstraße gegenüber des Busbahnhofs. Das bunte Treiben auf der Straße war aus dem 5. Stock Tag und Nacht gut zu beobachten. Mein Freund warnte uns davor, bei Erkundungen die Brücke über den Ibar in den serbischen Teil der Stadt und damit gleichzeitig die defacto Grenze zum überwiegend von Serben bewohnten Nordkosovo zu überschreiten, die Sicherheit sei nicht gewährleistet. Wir taten wie uns geheißen. Tatsächlich waren nachts ab und an in der Ferne Schüsse und Explosionen zu hören. Meine Kamera blieb überwiegend im Reisegepäck. Mir war unklar, ob Fotografieren in der Öffentlichkeit, bei dieser hohen Militärpräsenz und der offensichtlich nicht ganz entspannten Lage in der Stadt, gerne gesehen ist. Auf unserem weiteren Weg in den Süden verabschiedeten wir uns mit einem kurzen Besuch in der Hauptstadt Priština aus dem Kosovo.
Durch Mazedonien an den Oridsee und weiter nach Elbasan
“Mein Freund, du bist zu schnell gefahren” - so zumindest klang das, was der missmutig ins Fahrzeuginnere schauende mazedonische Polizist raunte, während er unzweideutig die üblichen Papiere verlangte und einen Überweisungsvordruck durch das Seitenfenster schob. Bar zahlen? Um Gottes Willen, in diesem Land sei man nicht bestechlich und das nun offensichtlich eingezogene Papier gebe es erst zurück, wenn wir den abgestempelten Überweisungsvordruck auf der Wache vorlegen. Für uns Vier war das gegen 20.00 Uhr synonym für Feierabend für heute und für eine teure Übernachtung in einem mäßigen Motel an der Schnellstraße. Ergrimmt von der mazedonischen Ordnungsmacht beschlossen wir, den Ohridsee auf seiner albanischen Seite anzusteuern. Hinter dem Grenzposten liegt auf einer Halbinsel direkt am See der Ort Lin. Fremdenverkehr entwickelt sich hier nur zögerlich trotz Förderungsmaßnahmen. Die Zufahrtsstraße, breit asphaltiert und von einem Radweg gesäumt, wirkt für das kleine Dorf überdimensioniert. Während die enge Dorfstraße gerade, unpassend zu den meist aus Lehmziegeln gebauten Häusern, mit modernem Verbundpflaster belegt wurde, war die Suche nach Hotels oder Gaststätten fast vergeblich. So sieht es wohl aus, wenn Tourismus verordnet wird.
Der Ohridsee ist einer der ältesten und tiefsten Seen der Welt. Das Wasser ist glasklar und sehr artenreich. Neben Wasservögeln kann man große Süßwasserkrebse und oftmals auch Schlangen im ufernahen Wasser beobachten. Die nur hier lebende Ohridforelle ist eine Delikatesse. Fischfang und Tourismus sind die Haupteinnahmequellen der fast 200.000 Anwohner des Sees. Leider bringt der auflebende Tourismus auch unliebsame Begleiterscheinungen mit sich, vielerorts sichtbar in Form eines Gürtels aus treibendem Plastikmüll. Dies ist ein noch weitgehend ungelöstes Problem in Albanien. Eine ruhige Nacht am See und ein gutes Frühstück waren die solide Grundlage für den kraftzehrenden Weg nach Tirana. Ein weiteres mal durften wir die wilde Abgeschiedenheit des albanischen Hochlandes erleben. Für knappe 100 km Wegstrecke hatten wir einen ganzen Tag eingeplant, und dies war bei brütender Spätsommerhitze auf den engen kurvenreichen Bergpässen nicht übertrieben. Auf ungefähr halber Strecke, im Herzen Albaniens liegt die von einer mächtigen mittelalterlichen Stadtmauer geprägte Stadt Elbasan. Hier findet man auch die älteste erhaltene Moschee des Landes, die Xhamija Mbret (Königsmoschee) aus dem Jahr 1492. Wärend der kommunistischen Ära Albaniens war Elbasan Zentrum der Metallverarbeitung. “Stahl der Partei” hieß der gigantische Industriekomplex den man sehr schön aus der Vogelperspektive beim Aufstieg der Bergstraße zum Krraba-Pass einsehen kann. Nach Überwindung der Passhöhe bleibt die Landschaft weiter hügelig, geht jedoch langsam über in die albanische Tiefebene, die sich von der Hafenstadt Durres rund 30 km landeinwärts bis nach Tirana erstreckt.
Albaniens Metropole Tirana
Noch bei meinem Besuch vor 2 Jahren habe ich Tirana als eine infrastrukturelle Wüste erlebt. Müll wurde nur unregelmäßig oder gar nicht abgeholt, Abwasserreinigung gab es nicht, die Stromversorgung brach mehrmals täglich zusammen und ein regulärer öffentlicher Nahverkehr existierte nicht. Noch bis 1990 gab es im ganzen Land nur wenige hundert Kraftfahrzeuge, der private Besitz war verboten. Nach Ende der Hoxha Diktatur explodierte der Individualverkehr, auf de facto nicht vorhandenen Straßen. Die Einwohnerzahl der Hauptstadt verdoppelte sich in weniger als 20 Jahren. Das resultierende Chaos lässt sich leicht erahnen. 2009 ist Tirana auf dem Weg zu einer charmanten Metropole Europas. Der Müll ist von den Straßen verschwunden, bis 2013 sollen 80% der privaten Haushalte an die Kanalisation angeschlossen sein, Straßen wurden neu asphaltiert, Ampelanlagen erneuert und optimiert, Radwege angelegt und in drei Tagen erlebten wir keinen einzigen Stromausfall. Vom internationalen Mother Teresa Airport in die City und weiter bis zur Hafenstadt Durrës wurde die erste Autobahn des Landes gebaut und im Stadtverkehr fahren neue Linienbusse. Jenseits dieser eher sachlichen Betrachtung macht Tirana vor allem Eines - sehr viel Spaß. Sei es, bei einem Latte Macchiato das lebendige Treiben und den dichten Verkehr auf dem zentralen Skanderbegplatz zu beobachten, spielenden Kindern im Parku Rina am Bulevardi Deshmoret e Kombit zuzuschauen oder aber ein nächtlicher Streifzug durch das Vergnügungsviertel Blloku, dem ehemalig streng abgeriegelten Regierungsviertel. Tirana ist jung, lebendig und optimistisch. Die Generation der 15-30 jährigen ist in Albanien überproportional stark und prägt, auf eine für uns Nordeuropäer fast ungewohnte Art, das Straßenbild. So wundert es kaum, dass sich in Tirana eine international angesagte Clubszene etabliert hat. Architektonisch hat die Stadt einiges zu bieten. Zwar fehlen dem Stadtbild, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die gewohnt klassischen alten Gebäude, jedoch kann man sich an extravaganten Neubauten und skurril, farbenfroh bemalten Plattenbauten erfreuen. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte über die 650.000 Bewohner zählende Metropole, dem sei ein Ausflug auf den Dajti, dem 1.613m hohen Hausberg ans Herz gelegt. Vom östlichen Stadtrand schwebt eine komfortabel Bergbahn solider Schweizer Bauart hinauf. Alleine die knapp 30- minütige Fahrt über grüne Hügel und kleine Seen in das Kalksteingebirge ist ein Erlebnis, der Blick von oben grandios. Tirana liegt einem zu Füßen und in der Ferne glitzert die Adria am Horizont im Sonnenlicht. Wer nun an schöne Erinnerungsfotos denkt, den muss ich leider enttäuschen, zu Betriebszeiten der Bergbahn ist durchweg mit starkem Gegenlicht zu rechnen.
Von Vlora über den Llogarapass nach Südalbanien
Mehr als zwei Wochen waren wir nun unterwegs. In Vlora, einem aufstrebenden Badeort an der Adria, drei Autostunden von Tirana entfernt, wartete der neue Besitzer auf unser Taxi. Etwas wehmütig nahmen wir Abschied von unserem lieb gewonnenen Gefährt. An den folgenden Tagen wollten wir uns an einem ruhigen Strand im Süden des Landes von der Reise erholen. Der neue Besitzer des Wagens versprach, uns am nächsten Tag, durch den Llogara-Nationalpark über den 1024m hohen gleichnamigen Pass, nach Dhërmi zu bringen. Knapp hinter der Passhöhe hat man einen unvergesslichen Blick auf das Ionische Meer und die griechische Inselwelt sowie auf den gut 2000 Meter hohen Maja e Çikës während das Auge der Straße entlang der Gebirgskette Richtung Süden folgen kann. Die Küste südlich des Llogarapasses ist recht dünn besiedelt und war seinerzeit den Parteioberen vorbehalten. Um touristischem Wildwuchs vorzubeugen hat die aktuelle Regierung einen rigorosen Baustopp verhängt. Entsprechend ist das Angebot an Unterkünften knapp, was jedoch aufgrund der fortgeschrittenen Saison kein Problem darstellte. Das “Grand Hotel Dhërmi” trennen nur 15 m Kiesstrand vom warmen Mittelmeerwasser. Der Komfort, den der Name assoziierte , war jedoch auch bei wohlwollender Betrachtung nicht ersichtlich. Sei`s drum, warmes Spätsommerwetter, gutes Essen, blaues Meer, ein menschenleerer palmengesäumter Strand - was braucht man mehr? So verbrachten wir unsere Tage dort auch mit Lesen und süßem Nichtstun. Gänzlich ungetrübt war das Urlaubsidyll jedoch nicht. Mein Hund empfand große Freude dabei, sich in den menschlichen Hinterlassenschaften des vergangenen Sommers zu wälzen oder sich alternativ daran gütlich zu tun. Da half nur Anleinen. Schade für den Hund, hier hätte er sich einmal ungestört austoben können, schade für diesen Strand, bleibt er nun doch als Synonym für ein noch zu entwickelndes Umweltbewusstsein in unserer Erinnerung.
Hindernisse auf dem Weg nach Hause
Ohne fahrbaren Untersatz versprach die letzte Etappe unserer Reise noch ein kleines Abenteuer zu werden. Pünktlich um 8 Uhr standen wir an der Kreuzung, wo der Kleinbus seine Passagiere auf der Fahrt in die kleine Hafenstadt Sarande einzusammeln pflegte. Auch der Bus ließ nicht lange auf sich warten, aber der Fahrer winkte ab, vier Personen samt Reisegepäck und Hund, das passe nicht mehr. Zwei Stunden dauere es, bis der nächste Bus komme, und der habe sicherlich genügend Platz für uns. Zwei Stunden auf dem Rucksack am Straßenrad sitzen, keine Lokalität weit und breit, und was, wenn der nächste Bus auch voll ist? Wir würden ein recht teures Taxi nehmen müssen für den zweistündigen Weg, schließlich war unser Rückflug schon lange gebucht. So weit kam es dann doch nicht. Es war zwar eng, so eng, dass man die Fahrt durch die reizvolle südalbanische Landschaft nicht wirklich genießen konnte, aber gegen Mittag erreichten wir mit dem Bus Sarandë, ganz im Süden Albaniens. Ein Fährticket nach Korfu war schnell besorgt und wir konnten entspannt den Nachmittag damit verbringen noch ein paar Souvenirs in der Stadt zu kaufen und auf der Strandpromenade zu flanieren. Mir schien, vor einem Café auf der anderen Straßenseite habe ein elfenbeinfarbener Mercedes mit der Werbeaufschrift eines norddeutschen Möbelhauses gestanden, vielleicht war es auch nur die Hitze. Gewitterwolken türmten sich am Abendhimmel auf, während Sarandë hinter der Fähre am Horizont kleiner wurde und der Hafen von Korfu vor dem Bug des Schiffes auftauchte. Eine schwedische Touristin, die wir in Sarandë trafen, hatte uns erzählt, es sei kein Problem gleich beim Hafen eine Unterkunft zu finden. Die dunklen Wolken hatten sich verzogen und ganz unbekümmert nahmen wir erst einmal ein voluminantes griechisches Abendmal zu uns, ehe wir uns um eine Bleibe kümmerten. Schnell wurde uns dann jedoch klar, dass es hier außer einem sündhaft teuren Hotel keine Übernachtungsstätte in fußläufiger Entfernung gab. Ein Taxifahrer war unsere Rettung. Giorgio, ein Malteser der sein Heimatland noch nie gesehen hatte, jedoch viele Jahre in Bonn gelebt hatte, ersonn schnell etwas Passendes für uns. Schließlich ließ er sich, obwohl es eigentlich sein freier Tag war, dazu überreden, uns früh am nächsten Morgen zum Flughafen zu bringen. Alles hat natürlich seinen Preis, Extras kosten auch in Griechenland extra, aber wir waren ganz zufrieden mit dem ausgehandelten Gesamtpaket. Wo denn die gelbe Identifikationsmarke sei, fragte die Angestellte der Fluggesellschaft beim check-in, auf den Hund deutend. So viele Grenzen hatten wir unauffällig überwunden, aber hier nun drohte Ungemach, schließlich hatte ich alle verfügbaren Unterlagen, und das waren nicht wenige, über den Desk geschoben. Der Hund hat einen implantierten Chip zur Identifikation, versuchte ich zu erklären. Nein, nein, das gehe gar nicht, dafür habe man hier kein Lesegerät vor Ort und ich könne ja schließlich nicht irgend einen Hund mit an Bord nehmen. Stillstand - meine Argumente waren aufgebraucht, Schulterzucken, von einer solchen Identifikationsmarke hatte ich noch nie gehört. Als wir uns nicht fortbewegten zog sie erst ihre Kolleginnen rechts und links zu Rate, dann wurde jemand Übergeordnetes hinzugerufen, schließlich Entwarnung - Aufatmen, der Hund darf an Bord. Den ersten Flug seines Lebens hat er dann auch prima überstanden.
Kleine Kamera, neue Reisefreiheit?
Ich bin es gewohnt, das die Hälfte meines Reisegepäcks aus Fotoausrüstung, Laptop, Navigationsgerät, Ladegeräten und Akkus besteht. Bei diesem Experiment war es einmal anders. Leider hat es mich letztendlich nicht überzeugen können. Erfreulich gut war neben den Abmessungen und dem Gewicht die Verarbeitungsqualität und die Bildqualität der Olympus E-P1. Es macht Spaß mit den Olympus Kreativ-Programmen zu experimentieren, obwohl ich normalerweise nicht auf die Vorzüge des RAW-Formates verzichten möchte. Auch das Standartzoom konnte überzeugen. Das kleine leichte Pancake Objektiv bringt keine signifikante Qualitätssteigerung und hat nur eine mäßig bessere Lichtausbeute. Von einem Festbrennweitenobjektiv hätte ich mehr erwartet. Der langsame Autofokus qualifiziert die Olympus eher für Landschafts- und Naturaufnahmen, denn für Schnappschüsse im quirligen Straßenleben ferner Urlaubsländer. Mit Bedauern musste ich feststellen, dass viele meiner Aufnahmen beim Betrachten am heimischen Monitor eine leichte Unschärfe aufwiesen. Ich führe dies auf einen falsch justierten Autofokus zurück und gehe davon aus, dass dies nicht die Regel ist. Die Olympus E-P1 Pen war die erste Vertreterin einer neuen Kameragattung und mit Sicherheit noch mit Kinderkrankheiten behaftet. Mittlerweile gibt es diverse Nachfolgemodelle und auch andere Hersteller sind in dieses Marktsegment eingestiegen. Dies lässt hoffen, in absehbarer Zukunft wirklich mit einer kleinen und leichten Kamera reisen zu können, ohne Abstriche bei Bedienkomfort, Geschwindigkeit und Bildqualität. Die Entwicklung wird so spannend sein wie die nächste Fotoreise.



































